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Dritter Fastensonntag (19. März 2006) Lk. 11:14-28.

In den Versen vor dem heutigen Evangelium zeigt uns der Herr mit Seiner überreichen Liebe und Güte, wie wir eindringlich, beharrlich, im Vertrauen und im rechten Inhalt beten müssen, also nicht so miese, fiese, schäbige Bitten um den Tototreffer (es sei denn Padre Pio braucht ihn für ein Spital!).

Plötzlich aber treten andere Menschen auf. Die Jünger hatten ihn angefleht: Lehre uns beten. Diese anderen Menschen aber, deren Herz verdreht ist, die sich der Gnade verschlossen haben, sie sehen auch im Guten nur das Schlechte. Ja, wir treffen sie leider jeden Sonntag nach der Messe auf dem Kirchenplatz. Sie sind auch unter uns und Gott bewahre uns davor, dass wir unter ihnen sind. Oft genug sind wir es!

Der Herr treibt einen Dämon aus. Mit dieser politisch unkorrekten Aktion hätte Er heute das Schlimmste zu befürchten, aber damals waren diese bösen Stimmen noch in der Minderheit. Die Mehrheit sagt noch: „Sollte dieser nicht etwa der Sohn Davids sein?“ (Mt. 12:23). Aber einige wissen sofort, wie man den Glauben im Ansatz erstickt. Man findet auch heute diese zwei oder drei Stimmen, die mit einer guten Predigt oder einem interessanten Votrag nicht einverstanden sind, und dann von interessierten Politikern mit dem Zitat „Ich habe da einige Beschwerden gehört“ missbraucht werden. Diese bösen Stimmen nennen also den Herrn einen Diener Satans. Horribile dictu! Aus dem Stummen ist der böse Geist angesichts der Macht Christi geflohen, in den Herzen dieser wenigen bösen Stimmen sitzt er tief verwurzelt, mehr noch als die Betroffenen ahnen.

Andere wieder fordern unmittelbar gelieferte Wunder, das eben gesehene genügt ihnen nicht. Wie jener Idiot, der nach der Lektüre der wissenschaftlichen Untersuchung des Hostienwunders von Lanciano scheinbar so weise mit dem Kopf nickte und meinte: „Dafür gibt es sicher eine naturwissenschaftliche Erklärung.“ Sein Gott besteht also aus Formeln. Mag ich auch den Evangelien nicht glauben, das Hostienwunder von Lanciano lag unter dem Mikroskop (da muss man Paul VI. einmal dankbar sein), was wollen sie denn noch? Sie wollen sich nicht entscheiden für Christus, was ja auch unbequeme Folgen hat, und so versinken sie im Bösen, wie der vom Weg Abgekommene im Treibsand oder dem Moor. Ihr Herz erstarrt in Bosheit. Ihr Denken verkehrt sich und sie rufen angesichts einer Heilung, einer Wohltat: „Durch Beelzebub, den obersten der Teufel, treibt er die Dämonen aus.“

Für ein Verständnis der Antwort Christi muss man wissen, dass es auch in der damaligen Zeit Teufelsaustreibungen gab, eben durch die Söhne Israels, „eure Söhne“. Wenn er also der Verbündete des obersten Teufels ist und Teufel austreibt, dann fällt dieses Reich Satans – so hasserfüllt und zerstritten die Hölle auch ist! – in sich zusammen. Diese Söhne, die nicht zu den erstarrten Anwesenden gehören, würden ihre Väter auch richten, könnten sie sie hören. Sie würden ihren Vätern erklären, dass kein Verbündeter Satans Dämonen austreibt. Wenn der Herr also diese Teufel austreibt, dann ist das ein Zeichen für Seine Sendung und eine Ankündigung des Gottesreiches. Diese Juden sollten sich freuen, dass hier Einer ist, der mächtiger als die Dämonen, sie von ihnen befreit. Es wundert einen nicht, dass sogar die magischen Priester des Pharao vernünftiger waren, als diese Juden, denn sie anerkannten die Taten Aarons: „Das ist der Finger Gottes!“ (Ex. 8:19).

„Wer nicht mit Mir ist, der ist gegen Mich; und wer nicht mit Mir sammelt, der zerstreut.“ Es gibt bei Gott keine Neutralität. Was dem Menschen seinem Mitmenschen gegenüber erlaubt ist, ja sogar gut sein kann, das kann vor Gott nicht bestehen. Eine österreichische oder – langbewährte – schweizer Neutralität entspricht mehr der Klugheit als der Charakterlosigkeit, aber die Länder rund um Österreich und die Schweiz sind ja auch eine sehr relative Angelegenheit, sehr relativ. Das gibt es vor dem absolut einfachen Sein nicht. Dort heisst es JA oder NEIN.

Aber, so lesen wir im nächsten Satz, auch wenn wir einmal gereinigt sind, durch die Sakramente, dann dürfen wir die Wachsamkeit nicht verlieren, denn die bösen Mächte suchen nach den Lücken in der Verteidigung. Die grösste Lücke ist stets die Selbstgenügsamkeit im Gnadenstand: „Ich war beichten, war bei der Kommunion, ich bin heilig.“ Hütet euch, denn gerade, wo das Haus „mit dem Besen gereinigt und geschmückt ist“, dort lässt es sich gut Dämon sein. Der Betroffene weiss ja meist gar nichts von der dämonischen Anwesenheit (mit den sieben Kollegen!) in seiner sebstgenügsamen Verblendung. Man muss sich vor Augen führen, dass christlicher Ernst nicht Verbitterung ist, christliche Wachsamkeit nüchtern und nicht versponnen ist (mit paranoiden Vorstellungen, die überall Satan sehen) und Gottvertrauen, auf der anderen Seite, nicht sorglose Anmassung sein kann, um folgenden Satz zu verstehen: Ernste Wahrnehmung der Gefahr, entsprechende Wachsamkeit und das Gottvertrauen als Kraftquelle sind die Mittel, um den Dämonen die Türen nicht zu öffnen.

Die Botschaft ist klar. Gerade jene Katholiken, die immer nur – geradezu ostentativ – „fast nichts“ zu beichten haben, in die Sonntagsmesse einziehen wie in einer Heiligenprozession, nach der Messe aber ihre mächtigen Urteile fällen über Hinz und Kunz, ihre Türen stehen weit offen für die Dämonen.

HERR, SEI MIR ARMEN SÜNDER GNÄDIG!

Eine Frau in der Nähe versteht Christus und beginnt, Seine Mutter zu preisen. Wieviele gute Priestermütter gab es! Jesus freut sich darüber, was so selbstverständlich ist, dass das Evangelium es nicht erwähnt, aber er stellt eines klar. Gottesmutter sein ist eine unvorstellbare Seligkeit, aber noch grösser ist ihre Unterwerfung unter den Willen Gottes: „Fiat mihi secundum verbum tuum. Mir geschehe nach Deinem Worte.“

Hier findet sich – es Zufall zu nennen, wäre töricht – der Übergang zum heutigen Fest des Heiligen Joseph.

Gerade im letzten Paragraphen des heutigen Evangeliums, das alle paar Jahre einmal auf den 19. März fällt, findet sich doch die Erklärung für die Heiligkeit des Ziehvaters Christi, die so gross war, dass er nun Patron der Kirche ist, aber so bescheiden verborgen blieb, dass er das erst im neunzehnten Jahrhundert wurde.

Dieser bezaubernde Unbekannte hat eine mysteriös schwangere Jungfrau, die eigentlich seine eigene Frau hätte werden sollen, geheiratet, ihren Sohn als seinen eigenen und sie fast dreissig Jahre lang durch solides Handwerkertum – er war kein Arbeiter, sondern Handwerker! – ernährt, beschützt, versorgt, vor allem aber geliebt. Von so vielen Heiligen kennen wir Schreckliches: die Dummheit des Petrus, das Temperament des Paulus, den Skeptizismus des Thomas, so manche Lieblosigkeit der diversen Kirchenväter, die Irrtümer und Anmassungen auch heiliger Päpste, die völlige Verdrehung gesunder theologischer Konzepte auch durch heilige Kirchenlehrer, die liebenswerten Narreteien eines Filippo Neri, die unangenehme Art eines Pio Quinto, aber vom heiligen Joseph wissen wir nur, wirklich nur, Gutes. Er war fromm, gehorsam, keusch (castissimus! Also rein wie ein Kind!), aber er war so liebevoll, dass auch der Mensch Jesus Christus so wohl geriet, wie wir Ihn kennen. Joseph war zwar unter dem Einfluss des Gottessohnes und Seiner perfekten Mutter, aber er sagte immer JA zu ihnen, also AMEN.

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