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Sechzehnter Sonntag nach Pfingsten (4. September 2005) Lk. 14:1-11.

Wieder einmal warten die Pharisäer darauf, dass Christus sich eine Blösse gibt, einen Fehler macht. Jesus versucht, ihre verstockten Herzen durch Seine Liebe, Seine Worte und Seine Wunder zu erweichen. Er schreckt nicht einmal davor zurück, die Einladung seiner Gegner anzunehmen, obwohl Er weiss, dass es keine echte Gastfreundschaft ist, denn sie wollten Ihm nur eine Falle stellen und deshalb „beobachteten sie ihn genau“.

Als ob von den Pharisäern bestellt, steht ein Wassersüchtiger vor dem Herrn. Die reichen Gastgeber zeigten bereits, dass die Arbeiten für ein Gastmahl offenbar auch am Sabbat getan werden dürfen. Jesus stellt ihnen die Frage über die Rettung von Mensch und Tier am Sabbat. Ihr Schweigen ist beredt: Wir haben unsere Lehrmeinung, du deine Vernunft, aber wir werden keine Schwäche zeigen. Es ist der alte Gelehrtenstolz, den man schon bei Volksschullehrern finden kann. Sie sind von Beruf Lehrer, also haben sie immer recht. Dort wo ihnen das nötige Wissen fehlt, um eine Antwort geben zu können, hüllen sie sich in eisiges Schweigen, oder machen die Frage durch Spitzfindigkeiten lächerlich. So verhält sich der Obergescheite auch angesichts von Vernunftgründen, die ihm nicht in den Kram passen. Allzu vielen Menschen ist es eben nicht so wichtig, die Wahrheit zu erfahren, wie einfach recht zu behalten. Der schmale Weg zum Himmelreich aber ist verschlungen, man findet ihn nur, wenn man wie das Kind die Augen in Demut geöffnet hält.

Zur Unvernunft und Unbelehrbarkeit gehört der Hochmut. Hochmut und Dummheit seien Zwillinge, so sagt man. Die Ehrenplätze an einem Festtisch aber verteilt der Gastgeber. Die Pharisäer waren gewohnt, überall die ersten Plätze einzunehmen und suchen auch in der Anwesenheit des Gottessohnes danach, diese Törichten. Wie ein höchstrangiger, schon lange verstorbener Kardinal es formulierte: „Wo ich auch hingehe, ich kenne immer meinen Platz: es ist immer der erste.“ Das war auch so, denn der Papst zog es vor, in seiner erlauchten Höhe alleine zu speisen, aber was für eine Einstellung?!

Christus bringt dieses Gleichnis, um eben zu zeigen, dass, wenn die Demut im irdischen Leben schon so vorteilhaft sein kann, wie dann erst im himmlischen. Christus ist unser aller Gastgeber. Derjenige, der sich neben Ihn setzen will, muss darauf achten, dass er den Platz am himmlischen Hochzeitsmahl nicht auf ewig verliert.

Um den vollen Sinn des heutigen Evangeliums verstehen zu können, muss man noch drei Sätze weiterlesen. Christus belehrt Seinen Gastgeber über die wahre Bedeutung der Nächstenliebe, indem er ihn auffordert, die Armen, Krüppel, Lahmen und Blinden einzuladen, denn was diese nicht zurückgeben könnten, würde der Herr im Himmel als Lohn geben. Die Gastfreundschaft sollte ja auch ein Teil der Nächstenliebe sein. Der erste Zweck einer Einladung sollte ja die gute Tat am Gast sein, der sich am Essen und der Gesellschaft erfreuen soll. Im Herzen, das nur sich selbst liebt, ist eben kein Platz für andere, und die sogenannte Grosszügigkeit der Pharisäer erstreckte sich auf das berechnende Gastmahl, von dem man annahm, dass es erwidert werden würde. Man muss sich noch heute im arabischen Raum davor hüten Geschenke anzunehmen, denn es wird eine gleichwertige Gegengabe erwartet. Im Geschäftsleben mag so etwas ja auch sinnvoll sein, nicht aber im Reich Gottes.

Dummheit, Lieblosigkeit und Hochmut sind sind leider genauso weit verbreitet, wie sie auch Hindernisse auf dem Weg zum Himmelreich sind.

Kehren wir aber auf einen der Kernsätze dieses Evangeliums zurück: „Ist es erlaubt, am Sabbate zu heilen oder nicht?“ Was den Juden der Sabbat, ist uns der Sonntag.

Nach den diversen Katechismen und Moraltheologien ist der Sonntag zu heiligen, indem man zur heiligen Messe geht und keine knechtlichen Arbeiten ausser dem Notwendigen ausführt.

Was nun die Sonntagsmesse angeht, so muss man unterscheiden zwischen dem dritten Gebot und der kirchlichen Vorschrift. Von der Sonntagsheiligung kann man nicht dispensiert werden. Der Messbesuch aber ist eine kirchliche Vorschrift, also ein positives Gesetz. Positive Gesetze binden nicht sub gravi incommodo, unter schwerer Unannehmlichkeit. Der Gesetzgeber, in diesem Falle die Kirche, muss für die Erfüllbarkeit des Gesetzes sorgen. Dies geschieht heute nicht, denn der Novus Ordo ist keine Liturgie der Kirche und darum hatte Erzbischof Lefebvre recht, wenn er sagte, besser einmal im Monat in die katholische Messe gehen als jeden Sonntag in die protestantisierende „Neue Messe“. Auch kann es nicht angehen, dass ein Familienvater sein und der Familie Leben bei Glatteis auf dem Weg in die 150 Kilometer entfernte katholische Messe riskiert. Der Konsensus unter Theologen setzt hier die Grenze der ernsten Verpflichtung auf 50 Kilometer oder eine Stunde Entfernung.

Was nun die knechtliche Arbeit angeht, so ist das Urteil schwieriger. Hier erlebt man unter den Katholiken wahre Hochblüten des Pharisäismus! So schrieb ein Priester, dass jegliche körperliche Arbeit Sünde wäre, ab zwei Stunden Todsünde, nicht aber die geistige Arbeit. So darf also ein Geschäftsmann, der Montag bis Samstag zwölf Stunden im Chefsessel seiner Firma sitzt, am Sonntag nach der Messe nicht Holz hacken zum Ausgleich, obwohl das sein Steckenpferd ist (wie es das Kaiser Wilhelms II. war), der amerikanische Bestsellerautor Tom Clancy aber – ein Katholik – dürfte seine Millionen verdienen, indem er auch sonntags den nächsten Roman weiterdiktiert. Das ist doch Unsinn. So dachten die Pharisäer, die des Sabbats opulente Gastmähler abhielten, aber Christus misstrauisch beäugten, als er – noch dazu mühelos – den Wassersüchtigen heilte. Beklagenswerterweise findet man ähnliche geradezu tabellenartige Vorschriften in vielen Publikationen der Moraltheologie, was geradezu eine Einladung ist, am Sonntag zum Geldsparen handwerkliche Arbeiten im Haus selbst zu verrichten, aber bitte eine Stunde und neunundfünfzig Minuten lang, damit es keine Todsünde wird. Ist das die Lösung?

Dabei gibt der normale menschliche Verstand die Antwort: Es dürfen eben keine knechtlichen Arbeiten sein. Was ist eine knechtliche Arbeit? Der Herr hat seine Knechte für einfachere Arbeiten, die seiner Meisterschaft nicht bedürfen und er bezahlt sie dafür. Knechtliche Arbeit ist also bezahlte Arbeit. Wenn man mit einer Arbeit, körperlich oder geistig, die man nicht am Sonntag verrichten muss, Geld verdient oder sich Geld erspart, dann bricht man das Sonntagsgebot. Darum darf der Wagenführer der Strassenbahn am Sonntag fahren und muss dies nicht gratis tun und darum darf der oben zitierte Firmenchef – er könnte sich zehn Holzhacker leisten – am Sonntag das Holz hacken.

Würde man zunächst in wahrer Gottesliebe und Nächstenliebe an die Frage des Sonntags herangehen, würde man in dem Zusammenhang sich selbst überprüfen und nicht alle anderen und würde man Christus in diesem Punkt ernst nehmen, dann wäre das gar kein so grosses Problem. Christus sagte nämlich:

„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, nicht der Mensch um des Sabbats willen“ (Mk. 2:27).

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