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Passionssonntag (6. April 2003) Jo. 8:46-59.

Das heutige Evangelium ist eines der bedeutendsten überhaupt, denn Christus gibt hier klares Zeugnis für Seine göttliche Natur, indem er den Namen Gottes, EGO SUM, ICH BIN, mit sich identifiziert: „Bevor Abraham ward, ICH BIN.“ Dennoch ist das nicht die einzige Lehre in diesem etwas längeren Zitat aus Johannes, vielmehr wird hier eine der schwierigsten Fragen der heutigen Zeit beantwortet:

Wie ist es möglich, dass über dreitausend(!) Bischöfe den angeblichen Lehren des angeblich ökumenischen Konzils von 1962-1965 folgen und damit offensichtlichen Widersprüchen zum Evangelium und der Lehre der Kirche, ganz zu schweigen von ihrer Duldung, Förderung oder sogar Mitarbeit an einer stets wachsenden Zahl schauerlichster Sakrilegien wie der Handkommunion, der Interkommunion, der Kommunion an Tieren, der Weihe von praktizierenden Homosexuellen oder Protestanten etc? (Dies und einiges mehr kann ich nachweisen). Wie ist es möglich?

Einige, wenige und wahrscheinlich hochintelligente Bischöfe wissen, dass sie versuchen, die Kirche zu zerstören und sie wollen es. Alleine die Tatsache, dass schon Papst Leo XIII. einen Staatssekretär hatte, der Freimaurer war und dass einer der nachkonziliaren Staatssekretäre am Totenbett die Sakramente verweigerte, beweist diese Bereitschaft, dem Satan zu dienen.

Andere Bischöfe – und es sind viele – sind schlicht und einfach zu dumm oder zu ungebildet, um die Widersprüche zu sehen und die Veränderung der ewigen Wahrheit für unmöglich zu halten. Ich kann nach fünfzehn Jahren in Rom die reiche Anzahl an Bischöfen, die unglaublich dumm sind, aus persönlicher Erfahrung bestätigen. Das ist so offenkundig, dass ein ehemaliger Sekretär des Obersten Tribunals der Apostolischen Signatur mir selbst die Scherzfrage stellte: „Quid requiritur ad episcopatum“ (Was wird für das Bischofsamt benötigt?) und unmittelbar hinzufügte: „Respondeo: nihil“ (Ich antworte: nichts). Ein Kardinal, für den ich eine kurze Zeit lang arbeitete, kam eines Tages düsterer Stimmung in sein Büro, und ich fragte ihn nach dem Grund. Er erwähnte die Kardinals­kommission, an der er gerade teilgenommen hatte und mit seinem Gesicht in den Händen jammerte er: „Die wissen nichts, nichts wissen sie.“ Kardinäle! Dennoch ist so mancher von ihnen ehrlich, fromm und sogar in gewisser Hinsicht – Ignoranz ist selten völlig unschuldig – heiligmässig.

Was ist aber mit den Bischöfen, die weder wissentlich und willentlich dem Bösen dienen, noch dumm oder ignorant sind, also mit jenen, die die Widersprüche – in verschiedenem Masse – sehen, aber einfach weitermachen, ohne deshalb die Kirche zerstören zu wollen?

Das heutige Evangelium erklärt am Beispiel der Pharisäer dieses Phänomen genau:

„Wenn Ich euch die Wahrheit sage, warum glaubt ihr Mir nicht? Wer aus Gott ist, hört auf Gottes Wort; darum hört ihr nicht darauf, weil ihr nicht aus Gott seid.“

Was ist die Bedeutung dieser Worte? Ganz offensichtlich meint Christus hier nicht die Freundschaft Gottes, die sich ausschliesslich aus dem Gnadenleben ergibt, das es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab, jedenfalls nicht im sakramentalen Sinne. Wer ist dann aus Gott? Wer auf Gottes Wort hört, sagt Christus, aber warum? Auf welche Eigenschaft Gottes bezieht sich dieses Wort?

Um diese Frage zu beantworten, können wir nicht die absolute Einfachheit Gottes, die in Seinem eigentlichen Namen ICH BIN vollständig erklärt ist, wir müssen auf die, uns zuliebe geäusserte Beschreibung der einzelnen – in Gott identischen – Eigenschaften zurückgreifen: Bevor wir den ganzen Katechismus durchgehen, sei – vereinfacht – gesagt: Von den vielen Eigenschaften Gottes bezieht Christus besonders drei auf sich. Er sagt nicht: „Ich bin die Einfachheit,“ „Ich bin die Vollkommenheit“ oder „Ich bin die Gutheit.“ Er sagt dies auch nicht – um die Reihenfolge des Thomas Aquinas zu wahren – über Seine Unendlichkeit, Unveränderlichkeit, Ewigkeit, Einheit, Allwissenheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, wohl aber sagt Er: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Jo. 14:6). Natürlich ist Er das Leben, das alleine von Gott kommt und nur in Ihm erfüllt sein kann und Er ist der einzige Weg zu dieser Vollendung. Unsere Frage wird beantwortet mit dem Wort „Wahrheit“. Gerade, weil Christus selbst die Wahrheit ist, so ist Sein Wort Wahrheit.

Das ist der springende Punkt! Die Bischöfe in der oben genannten und fraglichen Kategorie sind schlicht und einfach Menschen, denen andere Dinge VIEL wichtiger sind, als das Wort Gottes, die Wahrheit. Sehen wir als Beispiel doch den Fall Deutschland (es wäre übertrieben, alle Länder zu besprechen). Hier muss man einen wunden Punkt in der deutschen Christenseele ansprechen, nämlich die von Adolf Hitler erfundene Kirchensteuer, die er selbst bis April 1945(!), obwohl als Kanzler von jeglicher Steuer befreit, eingezahlt hat. Diese Kirchensteuer, die ein gewaltiges Mindest­einkommen darstellt, erlaubt den Diözesen, Gehälter, Kranken­versicherungen, Pensionen und Spesen zu sichern. Dies alleine garantiert wiederum beim Seminaristen – der um seine Zukunft besorgt ist – jene nötige Anpassung, die alleine aus den abstrusen Theorien modernistischer Theologen und dem zutiefst verwurzelten Unter­bewusstsein, dass das Zweite Vatikanum „ein neues Pfingsten“ war, eingehämmert wird. Die Pfarrpraxis mit ihrer „beruhigenden“ Sicherheit und diversen menschlichen Eitelkeiten führt dann für die „Besten“ zum Bischofsamt mit seiner politischen Macht, den verbesserten materiellen Lebensumständen und dem öffentlichen Ansehen. Welcher General oder Minister würde wohl sein Amt zur Verfügung stellen, weil er einem Befehl gehorchen soll, der gegen Gottes Wille ist??? Viele sicher nicht (der General wohl noch am ehesten).

Es ist eben ein schauerlicher Irrtum zu meinen, dass die Standesgnade die Natur ersetzen kann, wenn doch Thomas sagt: „Gratia praesupponit naturam“ (Die Gnade setzt die Natur voraus).

Wenn man dann den Bischof fragt, warum die Seminare leer sind, die Kirchen immer leerer werden und der Glaube in Deutschland verloren ist, dann antworten sie: „So schlimm ist das auch nicht“, „Das ist eben die heutige Zeit“, „Der Heilige Vater weiss schon, was er tut“, „Wollen Sie etwa die Weisheit des Zweiten Vatikanums bezweifeln?“ Wären sie ehrlich, würden sie sagen: „Stimmt ja, aber deswegen gebe ich doch nicht meine Macht, meinen Palast, mein Prestige, mein Einkommen, meine Alters- und Krankenversicherung, vor allem aber meine Fernsehauftritte auf!“

Wenn man einmal drei Viertel seines Lebens in dieser Grundeinstellung verbracht hat, dann ist man für die Wahrheit kaum mehr offen. So waren die in ihrer Kaste und ihrer Macht verhärteten Pharisäer, so sind die Bischöfe heute:

„Wenn Ich euch die Wahrheit sage, warum glaubt ihr Mir nicht? Wer aus Gott ist, hört auf Gottes Wort; darum hört ihr nicht darauf, weil ihr nicht aus Gott seid.“

Das ist aber nur der zweite Hauptgrund, denn schliesslich zeichnet sich der Katholik durch die LIEBE aus, damit auch durch die LIEBE zur Wahrheit:

„Und wenn ich die Gabe der Weissagung besässe und wüsste alle Geheimnisse samt aller Erkenntnis, und wenn ich allen Glauben hätte, so dass ich Berge versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nichts“ (1Cor. 13:2).

Nur aus dieser Liebe darf unser Interesse kommen: Wer Gott liebt, muss über Ihn nachdenken!

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