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Fest der Beschneidung (1. Jänner 2003) Lk. 2:21.

Der heutige Tag ist nicht nur der letzte Tag des Weihnachtsfestes, sondern er war „in jener Zeit, als acht Tage vorbei waren“ der Tag der Beschneidung des Herrn. Obwohl dieses Fest in Rom erst im neunten Jahrhundert nachweisbar ist, so wird es schon 567 in Tours erwähnt.

Die Beschneidung im Alten Testament, die schon im altägyptischen Reich zu finden war, zunächst eine Frage der Hygiene, wird auf die Worte Gottes zurückgeführt, dass „alles Männliche beschnitten werde“ (Gn.17:10). Die Rabbiner gestanden ihr wunderwirkende Kraft zu, und sie muss wohl als eine Art Vorläufer der Taufe gesehen werden, als ein „Sakrament des Alten Gesetzes [­Testament]“, wie sie auch im Tridentinischen Konzil genannt werden, wenngleich dogmatisch der Wesensunterschied zu den Sakramenten des Neuen Bundes geklärt wird: Nur die sieben Sakramente des Neuen Bundes vermitteln ex opere operato (aus dem gewirkten Werk selbst) die heiligmachende Gnade.

So wird an diesem Tag auch die Zusammengehörigkeit des Alten und Neuen Testamentes (die ja stets nur gemeinsam „Bibel“ genannt werden) bestätigt: Christus, selbst noch durch die Beschneidung Teil des auserwählten Volkes des Alten Bundes, begründet den Neuen Bund, in dem die Aufnahme aufgewertet wird durch die heilsnotwendige und heilbringende Taufe. Der Vater – und Eins mit Ihm der Sohn – wollte nicht, dass der Erlöser als „Unbeschnittener“, was ein Schimpfwort war unter den Israeliten, sich den Platz in den Tempel „erschwindelt“, wie man das ja nach den auf das Buch Genesis zurückgehenden Gesetzen sehen hätte müssen.

Christus liess dies über sich geschehen, denn es war Seine Aufgabe, die Beschneidung später aufzuheben und nicht die Seiner Unbefleckten Mutter. Paulus sieht sie als überflüssig (1 Co. 7; Ga. 5:6; 6:15) und so wurde sie den Heidenchristen nicht auferlegt (was noch über das Apostelkonzil hinaus nicht allgemein verstanden wurde. Die abessinischen Christen praktizieren sie bis heute). Christus, der im Alten Bund immer den Willen des Vaters las, unterwirft sich daher noch, und so „wurde der Knabe beschnitten und Ihm der Name Jesus gegeben, der schon von dem Engel genannt worden war, ehe Er im Mutterschoss empfangen ward“.

Die Beschneidung war traditionell mit Gebeten und der Namensgebung verbunden und hier findet sich die Verbindung zu dem erst später eingeführten Fest des Heiligsten Namens Jesu, das am Sonntag vor Erscheinung oder dem 2. Jänner gefeiert wird und das Evangelium des heutigen Tages behält.

Das Fest geht nur auf das 16. Jahrhundert zurück und wurde erst 1721 durch Innozenz XIII eingeführt, zunächst am 2. Sonntag nach Erscheinung. Diese späte Entwicklung ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass in der zum Teil falschen Rationa­lisierung und Intellek­tuali­sierung der Renaissance die antike Bedeutung des Namens verlorenging:

Im römischen Reich war der Name, so wie es heute allgemein ist, eine fast schon numerische Unter­scheidung verschiedener Mitglieder der Familie und der Gesellschaft, so war Quintus Horatius Flaccus eben der fünfte Sohn. In der asiatischen Welt war das nie so. Es muss hier in Erinnerung gerufen werden, dass die asiatische Welt von Ungarn über den „Nahen“ und den „Fernen“ Osten bis in die Indiostämme Südamerikas reicht. In allen diesen Kulturen, zu den auch die in Afrika lokalisierte der Hamiten gehört, ist der Name Ausdruck der Seele.

Im antiken Ägypten, der Kultur der Hamiten, war die Seele so unauslöschlich mit dem Namen verbunden, dass man glaubte, man könnte mit dem Namen auch die Seele löschen. Als der wahnsinnige Pharao Amenophis IV., der als oberster Priester für die Erhaltung der Tradition verantwortlich war, diese im Alleingang über Bord warf, die altgediente Priesterschaft Thebens ausschaltete, Aton zum neuen Gott der Sonnenscheibe ausrief und sich selbst Echnaton nannte, was keine beglückende Bekehrung zu einem Monotheismus war, sondern eine den heutigen Kirchen­ereignissen verblüffend ähnliche Zerstörung der alten Ordnung, provozierte er die später folgende und schlimmste aller Strafen, die damnatio memoriae, die Auslöschung des Gedächtnis. Seine Namenskartuschen (=Inschriften) wurden unter den Nachfolgern in dem tiefen Glauben, dass der Schuldige so seine Seele verlieren würde, verflucht und getilgt.

Nachdem Moses den Namen Gottes ICH BIN erfahren hatte (Ex. 3:13), war das Aussprechen dieses geheiligten Wortes Jahve (=der Seiende, Der Ist) strafbar, man gebrauchte stattdessen Adonai. Wie sehr die Bedeutung eines Namens ernst genommen und nicht als zufällig sich ergebendes Wort abgetan wurde, zeigt die Reaktion der Zuhörer Jesu auf Seine Bemerkung: „Antequam Abraham fierit, ego sum“ (Jo. 8:58; Bevor Abraham ward, Ich Bin): Sie wollen Ihn steinigen, was die angedrohte Strafe für Gotteslästerung war und später Stephanus zum Protomärtyrer machte.

Im Rahmen dieser Wichtigkeit der Namen ist das göttliche Eingreifen bei der Namensgebung Jesu (und des Johannes!) zu sehen: Jesus (mit der Betonung auf dem U) heisst Jahve Hilf, also Erlöser, Heiland.

Im Christentum ist die Bedeutung dieses Namens zweifach: Zuerst und am häufigsten im Sinne des Kreuzzeichens, das uns lehrt, dass unser ganzes Leben „Im Namen des Vaters, des Sohnes, und des Heiligen Geistes“ geführt werden sollte, also eben „im Namen Jesu.“ Nicht weniger wichtig ist die der antiken Tradition entsprechende Ehrfurcht, ja Furcht vor dem Namen an sich. Hier muss nun an diesem ersten Januartag unser Gewissen erforscht werden. Das Zweite Gebot wird nicht nur dann verletzt, wenn man flucht! So oft wird der Name Jesu gedankenlos ausgesprochen, gerade von Personen, die sonst sehr rasch Verurteilungen aussprechen, wenn jemand sich einer Vulgarität, die doch mit dem Heiligen nichts zu tun hat, bedient. Das österreichische „Jessas,“ das deutsche „Ach herrje,“ das „O(h)je,“ das „Ujegerl,“ u.s.w., was sind diese Rufe denn, wenn nicht das eben gerade noch vermiedene Aussprechen des HEILIGSTEN Namens Jesu? Lesen wir uns doch sorgfältig das Proprium des Jesu-Namensfestes durch, jeder Text enthält das Wort Namen, jeder Text ruft Ihn an, preist Ihn aber vor allem. Tun wir das auch?

An den Höhepunkten der Karwoche, werdet Ihr mit dem Priester in der Antiphon des Brevieres und der Messen vor dem NAMEN JESU die Kniebeuge machen. Machen wir doch diese Kniebeuge jedesmal und überall in Gedanken, wenn wir Seinen Namen hören, besonders aber bevor wir Ihn sonst allzu leichtfertig aussprechen.

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