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Ostersonntag (16. April 2006) Mk. 16:1-7.

„SURREXIT DOMINUS VERE, ALLELUIA.“ Der Herr ist wahrhaft auferstanden! Das ganze Christentum ist auf diesem Satz aufgebaut. Das Wissen um die Auferstehung des Herrn hat sich nicht erst allmählich gebildet, sondern umgekehrt, ist die Wurzel aller christlichen Verkündigung. Das älteste schriftliche Zeugnis dafür gibt Paulus in seinem ersten Brief and die Korinther (15:3ss.), den er im Frühjahr 57 geschrieben hat. Sogar das Wort „Auferstehen“ ist im damaligen Kultur- und Religionskreis der Heiden völlig neu. Zudem war am Ostersonntag das Grab Christi leer, bezeugt von allen vier Evangelisten. Den heutigen Exegeten, die die Auferstehung als einen „nachösterlichen (!!!) Einschub“ bezeichnen, ist wirklich jegliche Redlichkeit abzusprechen. Es gab damals schon mehr als fünfhundert Augenzeugen für das leere Grab (1 Kor. 15:6).

Sehen wir nun das eigentliche Evangelium des Ostersonntags.

Keiner der Evangelisten beschreibt die Auferstehung. Wie hätten sie auch können. Man kann hier den Illustrationsversuch des Filmes von Mel Gibson „The Passion of the Christ“ durchaus ernstnehmen. Es ist logisch, dass die Auferstehung Christi nicht irgendein zeitraubender und mühsamer Vorgang war, wie denn auch, bei Gott? Dass der Auferstandene noch kurz, sehr kurz, dort im Grabe sitzt, bevor der Engel den Stein wegrollt und das, jetzt leere, Grabtuch noch in sich zusammenfällt, das kann ja nicht sehr viel anders gewesen sein. Was für ein unbeschreiblich herrliches Gefühl! Christus der Mensch, nie von Gott getrennt, immer die Zweite Person Gottes, aber nicht mehr im mühsamen irdischen Leben, schon gar nicht im Leiden oder im Tode, sitzt einen Moment auferstanden, perfekt und mit aller Macht im Himmel und auf Erden versehen, als der grösste Triumphator aller Zeiten in diesem Grab, um hinauszugehen in diese Welt für weitere vierzig Tage, bevor Er Seinen Platz zur Rechten des Vater einnehmen kann. Das Glücksgefühl in dieser, jetzt vollkommen gewordenen, menschlichen Natur muss unbeschreiblich gewesen sein. Fernab der stereotype Gedanke, dass Er ohnehin die selige Gottanschauung hatte, und somit alles andere unwichtig war. Gott ist unendlich viel grosszügiger: dieses Glücksgefühl kam auf der menschlichen Ebene noch hinzu. Kann etwas Gott hinzukommen? Nein, aber der Mensch Christus ist wirklich Mensch, hat also auch eine menschliche Seele! Das Wesen der Glückseligkeit im Himmel ist natürlich die selige Gottanschauung, aber der akzidentellen, der zusätzlichen, nicht wesentlichen Freuden, wird kein Ende sein!

Kein noch so glücklicher Mensch, im glücklichsten Moment seines Lebens, kann auch nur im Ansatz erahnen, was das für ein Gefühl sein wird, wenn die Geretteten am Jüngsten Tag mit ihren Körpern auferstehen. Da wir Gott ohnehin nicht begreifen können, sollte wenigstens das ein Etappenziel sein!

Wie der auferstandene Körper blitzschnell den Ort wechseln, durch Grabsteine und Türen gehen, essen und trinken und sich verstellen kann, das alles werden wir dann erfahren, hier kann man höchstens ein paar Theorien aufstellen. Uns bleibt als Tatsache im Moment nur, dass Er wirklich auferstand, aus Eigener Kraft und bevor der Engel den Stein wegschob.

Die Auferstehungsevangelien sind voller Widersprüche in den kleinen Einzelheiten, aber das ist leicht erklärbar. Zunächst bedeutet eine Erzählung in einem Evangelium nicht, dass NUR das Geschilderte stattgefunden hat. Wenn verschiedene Frauen zu verschiedenen Zeiten am Grab ankommen, dann waren halt nicht nur drei Frauen dort, sondern mehr. Na und? Wenn die Zeitangaben einander zu widersprechen scheinen, dann muss man bedenken, dass der antike Mensch nicht in einer mathematischen Reihe von 168:7:24 Stunden in der Woche dachte, sondern sich – was ja eigentlich natürlich ist – nach der Sonne richtete. Ausserdem wurde der Sabbat grosszügig gemessen, vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Sonnenaufgang am Sonntag. Allerdings konnte man am Abend des Sabbat, also Samstag abends, gegen Sonnenuntergang allerlei Dinge kaufen, erstens war das zum Leben in einer eisschranklosen Zeit sehr nützlich und zweitens no nebbich, gut fürs Geschäft.

So kommt es also, dass sich drei Frauen, vor dem Sonnenaufgang, valde mane una sabbatorum, also sehr früh am Sonntag, dem Grab näherten, um den Leib des Herrn traditionsgemäss mit den am Vorabend gekauften Spezereien zu salben. Joseph von Arimathäa und Nikodemus waren nicht mehr dazu gekommen. Der Leichnam musste ja vor dem Beginn des Sonnenuntergangs weggeschafft werden. An einem siebenten April geht auch im Heiligen Land die Sonne nicht allzu spät unter.

Maria Magdalena, Maria Jacobi und Salome waren schon mutigerweise unter dem Kreuz dabei und so gehen sie auch diesmal mutig dem Hindernisse des Steins entgegen. Sie schrecken nicht zaghaft vor der ersten Hürde zurück, wie wir so oft, sondern vertrauen auf Gottes Hilfe in ihrem Werk der Liebe und Barmherzigkeit. Sie bekommen diese Hilfe, aber völlig anders als sie dachten. Wenn sich die Evangelien über Worte, Orte oder Anzahl der Engel widersprechen, dann dürfen wir nicht vergessen, dass Engel unmittelbare Ortswechsel durchführen können, die Worte von aufgeregten Frauen berichtet wurden und der Heilige Geist kein Pedant ist. Dies gilt auch für die widersprüchlichen Berichte, wer wann vor dem Grabe und innen wem begegnet ist. Verständlich. Die Verwirrung muss heillos gewesen sein. Alleine das Engelwort ist schon unerhört, im wahrsten Sinne des Wortes. Noch nie hatte jemand so etwas zu hören bekommen: „Er ist nicht da.“ Die einzigen Wohnungen auf der Welt, wo man, abgesehen von Verbrechen, immer sicher sein kann, dass der gesuchte Bewohner da ist, ist ein Grab. Die leuchtende Engelsgestalt lädt sogar ein: „Seht den Ort, wohin sie Ihn gelegt hatten.“ Es bedurfte nur eines Blickes nach rechts in der Grabkammer, wo jetzt ein leeres Tuch lag (mit einer Negativphotographie des Leichnams, hergestellt durch eine unbekannte Strahlung, entstanden durch den Prozess der Auferstehung. Wenn das nicht der Humor Christi ist, Er hinterlässt den stets skeptischen und meist obergescheiten Wissenschaftlern ein bislang ungelöstes Rätsel als Memento...).

Der Engel spricht weiter: „Aber geht, sagt den Jüngern und dem Petrus, dass Er euch voraus nach Galiläa gegangen ist, dort werdet ihr Ihn sehen, wie Er euch gesagt hat.“

Wie Er euch gesagt hat! Noch ist Christus unverstanden. Er hat es angekündigt, wieder und wieder, in Gleichnissen und direkt. Er hat das Wunder sogar Schritt für Schritt vorexerziert, vom Jüngling in Naim, bis zu Lazarus, der schon drei Tage dem Verwesungsprozess ausgesetzt gewesen war. Sie hatten das alles gesehen oder wenigstens gehört, aber einhellig bleibt ihr Unglaube und ihr Unverständnis. Christus wird sie deswegen auch „wegen ihrer Herzenshärte“ im Evangelium der Himmelfahrt rügen, so wie er im Evangelium vom Weissen Sonntag den ungläubigen Thomas zurechtweist.

Man tut sich nicht schwer, hier an diesen rührenden Centurio (Hauptmann) zu denken, der – sinngemäss – sagt: „Ich bin ja gar nicht würdig, dass Du meinem Haus die Ehre gibst. Sag einfach ein Wort...“ Auch aus dem heutigen Evangelium wird klar, warum Jesus diesen Centurio kommentiert mit den Worten: „Soviel Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.“ Denken wir daran, wenn wir das nächste Mal den Auferstandenen in der heiligen Kommunion empfangen: Wir zitieren vorher dreimal den Satz eines heidnischen, römischen Offiziers!

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