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Dritter Adventsonntag (11. Dezember 2005) Jo. 1:19-28.

Nach Abschluss des Prologs (Schlussevangelium) beginnt, wie bei Markus, die eigentliche Geschichte Jesu mit dem Täufer. Der Evangelist setzt auch hier eine gewisse Kenntnis der anderen drei Evangelien voraus. So ist es nur vernünftig vorauszusetzen, dass dem Täufer bereits ein Ruf vorauseilte, denn sonst hätten ja nicht „die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten zu ihm“ geschickt. Aus dem Rang der Abgesandten kann man auf die Hohenpriester als Auftraggeber schliessen. Johannes gebraucht das Wort „Juden“ so, wie es nach dem Fall Jerusalems im Jahre 70 durch Kaiser Titus schon üblich war, nämlich als Bezeichnung der christusfeindlichen Mehrzahl des Volkes. Der Ausdruck passt am besten auf die Hohenpriester, von denen diese Feindlichkeit ausging.

Der Vorläufer Christi hat schon Aufmerksamkeit erregt, weil er, wie schon die Propheten, die bald kommende Gottesherrschaft ankündigte. Das Evangelium des zweiten Adventsonntags spricht davon und auch von „seiner Erscheinung“. Offensichtlich erinnerte Johannes an Elias. Wohl berichten die anderen Evangelisten, dass der Täufer von Dem spricht, Der nach ihm kommen wird, aber das Volk sieht viel mehr das ungewöhnliche Auftreten als die Bedeutung seiner Worte. So macht sich bald das Gerücht breit, es handele sich um den Messias. Logischerweise erregt das die Neugierde der Abgesandten, die diesen Gerüchten konsequent ein Ende machen wollen.

Johannes der Täufer weiss sofort um den Sinn der Frage nach seiner Identität und sagt geradeheraus: „Ich bin nicht der Messias.“ Die Beschreibung des Evangelisten: „Da bekannte er umunwunden und leugnete es nicht“ will darauf hinweisen, dass der Täufer sich ganz und gar nicht mit den Gerüchten im Volk identifizieren will, sintemal sie ja auch noch seinen eigenen Worten widersprechen. Wir sehen das im Schlussevangelium der Messe, denn er war nicht das Licht, sondern sollte Zeugnis geben vom Lichte.

Die Fragestellenden hatten offenbar auch eine Bestätigung des Messiasseins erwartet und sind nun überrascht. Sie fallen auf seine Erscheinung zurück und erinnern sich an die Rolle des Elias im zukünftigen Gottesreiche (was hier zu weit führen würde und selbst in der Heiligen Schrift missverständlich ist): „Bist du Elias?“ Johannes verneint. Daraufhin fragen sie ihn: „Bist du der Prophet?“ Sie fragen nicht, ob er ein, also irgendein, sondern, ob er DER Prophet wäre. Wieso? Moses gibt die Antwort: „Einen Propheten gleich mir wird der Herr, dein Gott, dir aus deiner Mitte, aus deinen Volksgenossen, erstehen lassen. Auf den sollt ihr hören“ (Deut. 18:15). In den folgenden Sätzen sieht man dann, dass das Prophetentum als solches gemeint ist, aber nur zunächst. Seit dem Ende des Exils in Babylon (539 frühestens, nach Jeremias, 515 spätestens, nach Zacharias) ging auch die Zeit der Propheten zu Ende und allmählich glaubte man, es werde einmal ein zweiter Moses kommen, der ja DER Prophet war. Zunächst wird dieser Prophet vom Messias unterschieden, bevor dann die Galiläer Christus zum König machen wollen, weil sie ihn für diesen Propheten halten (Jo. 6:41), wie später die Urchristen (Apg. 3:22; 7:37).

Noch sind wir nicht soweit, und Johannes, der sichtlich kein Interesse an diesem „Interview“ hat, verneint noch einmal und noch kürzer. Die Gesandten werden dieses einsilbigen Menschens auch allmählich müde und erklären nun, warum er ihnen eine positive Antwort geben soll: „Was sagst du von dir selbst?“

Die Antwort zeigt, dass der Betroffene nur die Stimme eines anderen sein will. Diese Form der Demut ist radikal. Der Ruf, der einst von Mutterschoss zu Mutterschoss an ihn erging, ist sein Leben. Er ist das, was man heute einen Profi nennt. Der Zustrom, den er hatte, beweist nicht, dass diese Professionalität in ihm nicht, wie das meist der Fall ist, jegliche Wärme zum Erlöschen gebracht hatte. Die Worte Christi, der in ihm den grossen Heiligen sieht, beweisen es. Heiligkeit aber misst sich an der Liebe.

Er will also die Stimme des Rufenden in der Wüste sein. „Bereitet den Weg des Herrn“ (Isaias 40:3). Dem Schriftkundigen hätte diese Antwort eigentlich genügen müssen. Johannes ist der Wegbereiter des Herrn. Ein reines Herz hätte sich einfach gefreut oder – im schlimmsten Falle – gesagt: „Na hoffentlich!!“

Nicht so die Pharisäer, die sich laut Vers 24 unter den Priestern und Leviten (meist Sadduzäer), befanden. Sie fragen mit der eigenen Logik desjenigen, der einen anderen blamieren will: „Was taufst du also, wenn du weder Elias, noch der Prophet bist?“ „Ich taufe mit Wasser.“ Gemeint ist: nur mit Wasser, während der „eine, den ihr nicht kennt“ mit Feuer und Heiligem Geist taufen wird (Mt. 3:11).

Der Hinweis, dass er Diesem, Der nach ihm kommen wird, nicht einmal den Sklavendienst des Schuhlösens würdig ist zu verrichten, kündigt unzweifelhaft den Messias an – für die, deren Herzen noch offen sind.

Der ganze Sinn der Taufe durch Johannes ist ebenfalls die Wegbereitung für den Erlöser. Diese Taufe ist kein Sakrament des Neuen Bundes, sie hat symbolischen Busscharakter und führt hin zum Sakrament. So wie Christus nicht will, dass wir Ihn ungebüsst oder gar unbussfertig, also ohne Beichte empfangen, so wollte der Vater Seinen Sohn nicht unangekündigt kommen lassen und nicht unter ein Volk, in dem niemand zur Busse bereit war. So war das Abtragen der Berge von Sünden und das Auffüllen der Täler der Unterlassungen für den Erlöser der Predigtinhalt des Johannes.

Dass das Geschenkekaufen und -einpacken und das Baumschmücken eine Vorbereitung auf Weihnachten ist, bestreitet (hoffentlich) keiner und das soll uns auch gelassen werden. Aber die Vorbereitung des Christbaumes und der Geschenke verhält sich zum inneren Erwarten Christi, wie der Sonntagsanzug zur heiligen Messe. Man soll weder in Fetzen, die gestern noch Vorhänge waren, noch in wild kolorierten Entartungen der Plastikfabriken in die Kirche gehen, aber wenn dort keine richtige Messe stattfindet, braucht man gar nicht gehen. So ist es im Advent. Wozu Geschenke kaufen und Bäume schmücken, wenn wir dem Herrn in der Mitternachtsmesse gegenüberstehen mit leeren, womöglich noch schmutzigen Händen...

Dass die meisten Menschen immer dasselbe zu beichten haben, ist klar, das gehört, wie alle unsere Schwächen und Mühen und Krankheiten, zum Kreuz, dass der Herr uns auflegt, aber das heisst nicht, dass unsere eigentlichen Sünden nicht in dem stetigen MANGEL an Liebe liegen. In diesem Punkt haben wir alle, jeder einzelne von uns, Schuld. Es wäre so schön, einmal nach der Sonntagsmesse auf dem Platz vor der Kirche zu hören, wie schön der Evangelist Johannes das Ewigsein Christi aus allen Evangelienstellen hervorleuchten lässt. Aber nein, dazu muss man doch in Liebe den Worten dieses Evangelisten lauschen, während es doch so viel einfacher ist, peinlich berührt, den „unmöglichen“ Hut von Frau – wie war doch ihr Name? – mittlere Reihe links – oder war es rechts? – mit brennenden Augen in Wunschflammen aufgehen zu lassen, ganz zu schweigen von schlangenartig bissig gezischten Kommentaren nach der Messe. Aber die nächste Beichte kennen wir schon: „Ich habe einmal..., zweimal..., dreimal...“ Sie sollte lauten: „Ich habe die Liebe nicht, ich sehe immer nur das Böse und das in Oberflächlichkeiten. Ich bekenne, dass ich in meinem jetzigen Zustand dem kleinen Erlöserkindlein mit leeren Händen entgegengehen muss.“ Die Liebe wird einem im Sakrament nur in der Form der Gnade gegeben, die aber setzt die Natur voraus. Wer um diese Natur kämpft, hart kämpft, dem wird auch die Gnade voll eingegossen werden.

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