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Erster Fastensonntag (13. Februar 2005) Mt. 4:1-11.

Der erste Satz des heutigen Evangeliums ist bereits schwierig zu verstehen. Warum sollte der Geist, der Heilige Geist, Jesus in die Wüste führen, damit Er versucht werde?

Der heilige Paulus gibt die Antwort: „Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitgefühl mit unserer Schwachheit haben könnte, sondern einen solchen, der in allen Stücken, ebenso wie wir, versucht worden ist, nur ohne Sünde“ (Hebr. 4:15). Trotz beider Naturen und Willen, besass Christus nur eine Person, nämlich die göttliche, die gar nicht sündigen kann. Aber bevor Jesus sich nach einem ruhigen und glücklichen Leben mit Joseph und der vollkommenen Mutter unter das sündige Volk begab, sollte Er der Sünde so nahe kommen, wie das für Ihn, Der nicht sündigen konnte, möglich war. In Christus konnte keine Versuchung entstehen, weder aus Seiner Phantasie, noch den Sinnen. Frei von den Folgen der Erbsünde war Er nämlich durch die Einheit mit der göttlichen Natur in Sich heilig.

So wie Krankheit und Tod konnte die Versuchung eben nur von aussen kommen. Darum führt der Geist Ihn in die Wüste, damit der Satan in Ihn die Versuchungen hineinbringen konnte, die er als normaler Mensch von Sich aus hätte empfinden müssen.

Hier wird auch die, auf den ersten Blick merkwürdig und unverständlich erscheinende, Phrase des Vaterunser erklärt: „Führe uns nicht in Versuchung.“ In gewisser Hinsicht führt Gott in die Versuchung. Natürlich nur indirekt, denn „er selbst versucht niemand“ (Jak. 1:13), aber indem Er uns in Verhältnisse führt, in denen sich die Versuchung ergibt. In keinem Falle versagt Gott uns in dieser Situation Seine ausreichende Gnadenhilfe, um zu bestehen: „Er wird euch nicht über euer Vermögen versuchen lassen, sondern zugleich mit der Versuchung auch einen solchen Ausgang schaffen, dass ihr sie bestehen könnt“ (1 Kor. 10:13). Weil aber unser Wille, vor allem aber unsere Liebe oft zu schwach ist, beten wir das Vaterunser. Mit Seiner eigenen Versuchung zeigt uns Jesus, dass wir uns unserer Anfechtungen nicht schämen müssen und dass wir den Teufel bekämpfen müssen.

Der Geist führt also Jesus in die Wüste unter die „wilden Tiere“ (Mk. 1:13), wo Er vierzig Tage lang fastete. Das übliche Fasten der damaligen Zeit hiess, dass man nach Sonnenuntergang essen durfte, was im mohammedanischen Ramadan erhalten geblieben ist. Christus aber „ass gar nichts“ (Lk. 4:2) und nachher hungerte ihn, das heisst, Er war vierzig Tag so im Heiligen Geist aufgegangen, dass Er weder den Hunger, noch die nächtliche Kälte in der Wüste spürte. Auch einem vor Gesundheit und Kraft strotzenden Menschen, der zwanzig Jahre hart gearbeitet hat, ist dies nicht ohne die direkte Hilfe Gottes möglich. Kein Engel ernährte oder tränkte Ihn, denn das geschah ja nachher, aber Er war so im Geiste aufgenommen, dass das Ihn erhielt. Erst im Himmel, wenn wir brav sind, werden wir ein bisschen nachvollziehen können, was da in der menschlichen Natur Jesu, Der vierzig Tage das absolute Sein Gottes und das relative der Schöpfung kontemplierte, vorging.

Der Teufel wusste nicht, wen er wirklich vor sich hatte, den Gottessohn erkannte er erst nach dessen Auferstehung, frühestens aber, nachdem Er „abgestiegen war zur Hölle.“ Der Gedanke an den Messias war hingegen naheliegend, vor allem nach den Ereignissen in Bethlehem, Jerusalem und am Jordan. Der Teufel wusste, dass er Ihn in der Vereinigung mit Gott nicht stören konnte und dass Er nach den vierzig Tagen – trotz der Hilfe Gottes – hungrig sein würde. Er tritt an Jesus heran, nicht als schrecklicher Dämon, wie die Ikonographie oft zeigt, sondern als normaler Mensch. Wen der Teufel versuchen will, den schreckt er nicht, es sei denn, er weiss sich durchschaut.

Die Versuchung Jesu lag nicht in der Verwandlung von Steinen in Brot, sondern im Missbrauch der Ihm gegebenen Wundermacht für Sich Selbst. Christi Antwort aus dem Buch Deuteronomium (8:3) ist die perfekte Tarnung: Moses sagte diese Worte zu den Israeliten, um ihnen klar zu machen, dass Der, auf Dessen Wort sie hören sollten, sie auch ernähren kann. Die Frage des Teufels: „Wenn du Sohn Gottes bist...“ wird also mit dem Schriftzitat eines frommen Mannes beantwortet, der nur zu sagen scheint: „Wenn mich der Geist vierzig Tage durch die Wüste gebracht hat, dann wird Er auch für mich sorgen. Damit ist der Teufel so schlau als wie zuvor...

Satan merkt, er kann sein Opfer nicht durch die niedrigen Instinkte, also von unten, versuchen, daher ändert er blitzschnell seine Taktik. Er hat unzählige Menschen erlebt und weiss, dass gerade der Asket, der seine Leidenschaften gebändigt hat, durch den Hochmut zu Fall kommen kann. Keiner ist so ekelhaft, wie der „Perfekte“, der „(fast) nichts mehr zu beichten hat.“

Der Teufel setzt also hier an und nimmt Jesus auf die höchste Erhebung des Tempels in Jerusalem mit. Dies war eine geistige Reise und kein Flug, wie es so gerne dargestellt wird, denn der Teufel kann unserem Gehirn ungeheuer realistische Visionen geben, weswegen man sich auch vor den überzeugendsten „Erscheinungen“ hüten muss. Sichtlich erstreckte sich der aktive Einfluss des Teufels auf die Sinnestätigkeit Jesu, natürlich nur mit Erlaubnis. Wieder will er es wissen: „Wenn du Sohn Gottes bist...“ Jetzt ist die Versuchung noch boshafter, nämlich zur eitlen Benützung des Gottvertrauens, der Anmassung. Es ist der eitle Ruf: „Herr, setzte ein Zeichen an mir,“ den der Satan Jesus suggeriert. Es ist der unzählige Male erfolgreiche Ruf Satans an den inkompetenten Idioten, in einem vermessenen Gottvertrauen nach der höheren Position zu streben. So einen Idioten, das weiss der Teufel, hat er nicht vor sich, also geht er weiter. Er versucht Jesus zu jener Abkürzung Seiner Mission, indem er den Juden das stets erwartete Zeichen gibt und sie Ihn als Messias verehren.

Wieder behält Jesus Seine Tarnung indem Er erneut zitiert: „Es steht auch geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“ Jesus weiss, dass Sein Vater zu Ihm steht, aber eine Situation provozieren, in der nur noch Er helfen kann, das ist eben Gott versuchen.

Wieder ist der Teufel nicht schlauer geworden und er versucht es ein drittes Mal. Wieder dringt er in Jesu Sinnestätigkeit ein und „er liess ihn schauen, mit all ihrer Herrlichkeit“ die Reiche der Welt und verspricht sie Ihm unter der stets letzten aller satanischen Bedingungen: „Wenn du mich anbetest.“ Die Macht und die Herrlichkeit hat schon die anständigsten Menschen niedergerissen, vor allem wenn ihnen die Macht irgendwie zustand. So mancher König, Kaiser und Papst ist ihr erlegen. Entsprechend begnügt sich Jesus diesmal nicht mit einem Schriftzitat, jetzt wo der Satan in der Ungeduld sich blossstellt und er fährt ihn an: „Weiche Satan!“

Der Teufel fürchtet das Licht und – scheinbar erst jetzt erkannt – weicht er von Ihm. Christus hat die Probe souverän bestanden und Sein Gottvertrauen wird durch die Zuhilfeeilung der Engel bestätigt. Damit zeigt uns Jesus auch, wie wir uns zu verhalten haben. Selbst wenn die Versuchung uns zu übermannen droht und uns das Verbotene plötzlich als Gottes Wille erscheinen lässt, müssen wir strikt an Gottes Wort festhalten. Mit der Ruhe, die sich einstellt, wenn die Versuchung überwunden ist, kommt auch die Kraft. Hier sehen wir auch, wie wichtig es ist, sich mit dem Teufel überhaupt nicht auf den – neuerdings gewünschten – Dialog einzulassen, denn wir wissen ja, wieweit das Eva gebracht hat.

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