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Palmsonntag (4. April 2004) Mt. 26;27.

Die Leidensgeschichte des Herrn bedarf eines ganzen Predigtzyklus, und so wollen wir eines der ersten Themen herausnehmen: „Als Jesus zu Bethania im Hause Simons des Aussätzigen war, trat ein Weib zu ihm mit einem Alabastergefäss voll köstlicher Salbe und goss es über Sein Haupt aus, während Er zu Tische lag.“ (Mk. 14:3; Lk. 7:37-38; Jo. 12:3) Von Johannes erfahren wir, dass es sich um die Büsserin Maria Magdalena handelt (Jo. 11:2) und so war es auch Aufgabe der Frauen zu salben. Dass Christus, der Gesalbte des Herrn (christos) mit dem teuren und duftenden Nardenöl (Jo. 12:3) begossen wird, ist aber kein Luxus, sondern Ihm zukommende tiefste Symbolik:

Das Öl, ein Wort, das eigentlich nur dem Olivenöl zukommt, anderen nur durch Ähnlichkeit (Summa Theologiae, III, q.72, a.3, ad 3), steht für Christus, Der das Öl ist, Das der Vater ausgiesst, das Schöne, pulchrum, das den Duft Christi ausmacht: „Oh Gott sei Dank, der allzeit uns den Sieg verleiht in Christus und den Duft seiner Erkenntnis überall durch uns verbreiten lässt. Denn Christi Wohlgeruch sind wir für Gott bei denen, die Rettung finden und bei denen, die verloren gehen: Den einen ein Geruch des Todes, der den Tod bewirkt, und für die anderen ein Wohlgeruch des Lebens, welcher Leben schafft“ (2Kor 2:14-16).

„Der Duft der göttlichen Salben ist keine Empfindung des Geruchssinnes, sondern einer intellektuellen, unmateriellen Fähigkeit, die mit dem geistigen Atemzug den Wohlduft Christi aufnimmt [...] dieser Duft ist ein unvergleichlicher Genuss, der alle uns bekannten Wohlgerüche übersteigt“ (Gregorius von Nyssa, 1. Homilie zum Canticum, . 44, 780, 782).

Dieser odor, dieser Duft, mit dem auch das Haus des Simon „erfüllt wird“ (Jo. 12:3) war schon im Buch Exodus von grösster Wichtigkeit, so sehr, dass wir im Kapitel 30 eine genaue Instruktion für den Bau des Rauchaltars finden, sowie das Rezept für einen Vorläufer des Chrisamöles. Im Buch Sirach, 24, im Selbstlob der Weisheit, sapientia, wird der Vergleich zum Schönen und zum Wohlgeruch gezogen. Im Canticum Canticorum, im Hohen Lied steht: „An Wohlgeruch sind deine Öle einzig gut; dein Name selber aber ist das feinste Öl“ (1:3). Die Taube kehrt zu Noe mit einem Ölblatt zurück (Gn. 8:11) und in der ganzen Antike war neben dem Lorbeer vor allem der Ölzweig das Symbol des Siegers und des Friedens!

Christus entspricht aber auch der Olive selbst, die durch Sein Leiden gepresst wird und das Öl des Heiles aus sich fliessen lässt. Das Olivenöl ist ein uraltes Heilmittel (Mk. 6:13), zusammen mit Wein (Lk. 10:34), es lindert Schmerzen, heilt Wunden und es stärkt, was auch das Zeichen der Firmung ergibt. Öl zieht ein, was besonders symbolisch ist: Die Weihe mit dem Öl muss einziehen, wie Christus in den Menschen dringt.

Entsprechend repräsentieren die drei heiligen Öle der Kirche Christus: Das Katechumenenöl, das die Sinnesorgane des zu Taufenden für Christus öffnet, entspricht der Lehre Christi, das Krankenöl, das die Sünden tilgt, Seiner Barmherzigkeit und das konsekrierende Chrisam Seiner Liebe. Somit sind hier Christi Lehramt, Richteramt und Hirtenamt symbolisiert.

Das Katechumenenöl dient der Stärkung im Kampf gegen die Mächte Satans, die sich vor jeder Taufe (=Bekehrung) hervortun. Entsprechend steht dieses Öl auch für die Tugend des Glaubens. Nach altchristlicher Sitte müssen Apostaten nach ihrer Rückkehr zur Kirche gesalbt werden.

Das Krankenöl dient der Heilung, der Vergebung der Sünden und der agonia, dem letzten Kampf. In der schon im Jakobusbrief erwähnten Krankensalbung, also der letzten Ölung (Jk. 5:14) findet sich das Bild der Tugend der Hoffnung, die Hoffnung auf Heilung und Rettung.

Das Chrisamöl ist das Christus eigentlich ähnliche und dient der Heiligung, der Konsekration. In das Olivenöl wird Balsam gemischt, in der Ostkirche bis zu weitere vierzig Gewürze und Harze. Der Sinn des Balsams, einem Harz eines arabischen oder westindischen Strauches ist, wie das Pontificale Romanum sagt, die Wirkung der Gnade zu versinnbildlichen, welche die „Verwesung der Erbsünde tilgt und die Seele des Menschen mit dem reinen Wohlgeruche eines tugendhaften Lebens erfüllt.“

Chrisam wird nach der Taufe zur Heiligung des Getauften angewendet, bei der Firmung, dem Weihesakrament und bei wichtigen Konsekrationen, wie der eines Messkelches. Es entspricht der Tugend der charitas, der Liebe, an der hauptsächlich die Heiligkeit gemessen wird. Nicht ohne Grund gibt es die Redewendung, dass jemand in odore sanctitatis, im Geruch der Heiligkeit stirbt. Bei vielen Heiligen war das wortwörtlich der Fall.

Wie der Duft der Rosen oder des Weihrauches, den man gerade in diesem Zusammenhang immer wieder festellen konnte, so ist auch der Duft des chrisma das Sinnbild der Freude: „Du liebst das Recht, das Unrecht hassest du; darum salbt dich Gott, dein Gott, mit dem Öle der Freude, noch vor deinen Schicksalsbrüdern (Ps. 44:8; Hebr. 1:9).

Und wie der heilige Cyrillus von Alexandria sagt: „Gesalbt ist er mit dem Öl der Freude, auf dass wir an die Gnade des Heiligen Geistes denken, die uns zum guten Eifer und zur beständigen Freude führte.“

Gerade in diesem Ausspruch kehrt der Satz des Augustinus wieder: „... auch durch das Gefallen wirst du angezogen.“ Wie eben der Wohlgeruch anzieht, so zieht Christus an.

Wie dann kann das Öl für Christus Verschwendung sein?

Entsprechend sagt Er auch: „Denn Arme habt ihr allezeit bei euch, Mich aber habt ihr nicht allezeit. Wenn sie diese Salbe über Meinen Leib ausgoss, hat sie es im Hinblick auf Mein Begräbnis getan.“ Sie hat Seinen Leib „zum voraus für das Begräbnis gesalbt“ (Mk. 14:8). Jesus referiert auf Seinen Tod, sein Begräbnis. Die in Ägypten übliche Einbalsamierung, ja Mumifizierung der Leichname war in Israel unbekannt, wohl aber die Salbung und Einhüllung mit Spezereien: „Sie nahmen den Leichnam Jesu und wickelten ihn mitsamt den Spezereien in Linnentücher ein, so wie es bei den Juden beim Bestatten Brauch ist“ (Jo. 19:40; auch Mk. 16:1; Lk. 24:1).

Christi Hinweis auf die Armen, die es immer geben wird ist weniger ein Spendenaufruf, als die Ermahnung, dem Herrn das Seine zu geben, nicht nur am Sonntag, sondern auch zuhause. Magdalena hat eben nicht dem Judas das viele Geld für das Öl gegeben, das einen Preis hatte wie eine Pariser Parfum-Essenz, wo man für ein paar Unzen einen dreistelligen Betrag verlangt. Die Narde (Nardostachys Jatamansi) wurde und wird aus dem Himalaya importiert! Johannes versichert uns, dass es ein Fehler gewesen wäre, dem Judas, dem Kassier das Geld zu geben: „'Warum hat man dieses Salböl nicht um dreihundert Denare verkauft und es den Armen gegeben?'“ So spricht Judas Iskariot. „Das sagte er indessen nicht, weil ihm an den Armen etwas gelegen wäre, vielmehr weil er ein Dieb war und die Kasse hatte und das was einging auf die Seite brachte“ (Jo. 12:5-6). Die Ermahnung richtet sich an unser Gewissen: Für das Nachrichtenhören ist immer Zeit, für das Tischgebet auch? Der Fernseher ist abgestaubt, der Herrgottswinkel auch? Vor allem aber: Beim Geschäftsessen sind wir sauber und duften, im Sinne des heiligen Paulus auch?

„Wahrlich ich sage euch: Wo immer man in der ganzen Welt dies Evangelium verkünden wird, da wird man auch zu ihrem Andenken erzählen, was sie getan hat“ (Mt. 26:13).

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