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3. Sonntag nach Erscheinung (25. Jänner 2004) Mt. 8:1-13.

Ein römischer, heidnischer Hauptmann prägt im heutigen Evangelium die Worte, die wir – bis auf eins – unverändert in jeder heiligen Messe dreimal wiederholen.

Dieser unerhört sachliche, ja nüchterne und umso tiefere Glaube des Offiziers, der sich um seinen Burschen sorgt, berührt Christus. Der Hauptmann ist völlig überzeugt, er ist sich sicher. Er schreit nicht, weint nicht, klagt nicht, wirft sich nicht Christus zu Füssen, nein. In der Schlichtheit, die nur aus der echten Demut kommen kann, weiss er dass Derjenige, Der durch einfaches Handauflegen den Aussatz reinigen kann, nur ein Wort sagen muss, auch wenn aus der Entfernung.

Es geht dem Hauptmann auch nicht um sich selbst. „Herr, mein Bursche liegt in meinem Haus, gelähmt, und wird böse gepeinigt.“ Natürlich weiss Christus, was geschehen wird, aber er teilt seine Bereitschaft mit, sofort zu kommen.

„Herr, ich bin nicht würdig, dass du eintrittst unter mein Dach, sondern sag nur ein Wort, damit mein Bursche geheilt wird.“

Weniger, um Christus zu belehren, man belehrt nicht den Herrn, Der Wunder wirkt, sondern vielmehr, um sein eigenes Verständnis zu erklären, fügt der Offizier hinzu:

„Nämlich, ich bin auch ein Mensch, der einer Autorität unterstellt ist und habe unter mir Soldaten und ich sage dem einen: Geh! Und er geht. Und dem anderen: Komm! Und er kommt; und meinem Burschen: Mach das! Und er macht es.“

Und da wundert Jesus sich, nicht im Sinne der Überraschung, sondern der Bewunderung: „Wahrlich, ich sage euch, so viel Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.“

Der Hauptmann sieht seinen puer krank darniederliegen (puer ist der Offiziersbursche, den es seit urdenklichen Zeiten gibt und nicht sein servus, sein Knecht). Kein Offizier kann seinen Burschen einfach so austauschen oder entbehren, ausserdem ist dieser Offizier demütig und, man muss daher auch annehmen, gerecht. Er ist ausserdem ein Gentleman, also jemand, der sich zu benehmen weiss. Er ist nicht an sich selbst interessiert. Er hat kein Interesse, den grossen Meister in sein Haus zu bitten, um dann jedem stolz davon erzählen zu können, wie das heute so verbreitet ist („In dem Sessel da ist 1986 der Erzbischof gesessen...“). Er nimmt sich nicht für wichtig, wohl aber seinen Burschen, der ihm von Herzen leid tut. Für ihn steht einwandfrei fest: Dieser Wundertäter kann ihm helfen und weil Er ein grosser Mann ist, ist er als einfacher Hauptmann seiner Anwesenheit nicht würdig.

Wollte, dass das doch diejenigen begreifen, die mit hundert Ausflüchten anstreben – womöglich noch in Reichweite einer traditionellen Kapelle – die Erlaubnis für die Aufbewahrung des Allerheiligsten im Privathaus zu bekommen oder denen jede Ausflucht genügt, sich den Priester ins Haus zu holen, oftmals um als „Vertrauenspersonen“ zu gelten.

Nicht so der Hauptmann: „Was Du von hier aus tun kannst, brauchst Du nicht nach unnötigem Fussweg bei mir zuhause machen.“ So scheint er zu sagen.

Wollte, dass das doch diejenigen begreifen, die mit hundert Briefen den Priester bombardieren, oft nicht einmal mit Fragen, sondern mit allerlei Belehrungen, die ihnen überhaupt nicht zustehen.

Fragt die Priester, ja, sie haben ja studiert, und sie sollten (oh Maria, hilf!) auch viel wissen, aber nehmt das Beispiel des Hauptmanns von Kapharnaum vor Augen und überlegt lange und gut, bevor ein Brief oder ein Telephonanruf den Priester in einer vielleicht viel wichtigeren Angelegenheit stört. Folgt dem Beispiel dieses Offiziers und Gentleman, der keine einzige Sekunde zögert, Christus um Seine Hilfe zu bitten, dies aber kurz, klar, knapp, höflich und nach entsprechender Überlegung macht.

Dieser Heide, von dem wir sicher sein können, dass er als Christ gestorben ist – vielleicht sogar martyrisiert wurde (?), motiviert auch Christus zu einer Äusserung gegenüber denen, die Ihm folgten und die wir mittlerweile leicht zu verstehen glauben: Viele Heiden werden kommen und mit Abraham und Isaak am Tische sitzen, die des auserwählten Volkes aber werden in die Hölle kommen.

War das alles? Kein Evangelium ist nur auf seine Zeit gebunden!

Mittlerweile müssen wir darauf achten, dass es uns nicht geht wie den „Söhnen des Reiches“, denn die Heiden, das sind heute die Mohammedaner und die Buddhisten und so viele andere, während wir durch unsere Taufe und Firmung auserwählt sind. Zudem haben wir das unverdiente Privileg empfangen, die Rolle der Tradition als Verfassung der Kirche zu verstehen und das macht uns zu den „Söhnen des Reiches“. Nur in der bestialischen modernen Wirtschaftsordnung gibt es ein absolutes Eigentum, im Lichte Gottes empfängt man es nur zur Verwaltung. Man hüte sich davor, etwas, was man von Gott empfangen hat, entweder als eigenes ausgeben zu wollen, oder damit geizig zu sein. Damit ist keineswegs nur der Besitz, der mamon, gemeint, sondern wohl auch die Geistesgaben. Weder dürfen wir unser Licht unter den Scheffel stellen, noch es für grösser erklären als es ist.

Wir haben die Gabe der Tradition gratis empfangen, was nicht allzu vielen gegeben wurde. Wieviele Pfarrer haben denn gegen alle Widrigkeiten treu zum Glauben gestanden, wie der H.H. Pfarrer Milch? Wie gehen wir mit unserem Geschenk um? Begegnen wir allen „Novus Ordo Leuten“ mit griesgrämigem oder hochnasigem Gesicht? Wäre es nicht möglich, dass der in den Himmel kommt und wir nicht?

Gehen wir lieber davon aus, angesichts der Worte des heutigen Evangeliums. Die Tradition ist ein Hort der Wahrheit und der Heilsmittel, nicht ein Ort des Besserwissens und der Heilsgewissheit!

Beschränken wir unsere Urteile auf Worte und Tatsachen und auch das nur nach dem besten Wissen und Gewissen, denn es ist unglaublich, was in der sonntäglichen und pfarrlichen Gerüchteküche für Bosheit und Gemeinheit regiert, die so vielen Gläubigen das Gnadenleben herunterträgt bis zum unausbleiblichen Ruin. Hier gibt es eine eiserne Regel: Erstens: Selbst schweigen, auch wenn einem was zu Ohren kommt. Zweitens: Das Thema wechseln oder das Gespräch abbrechen, wenn wer anderer versucht, uns „ins Ohr zu blasen“. Drittens: Nur, wenn etwas von grösster Wichtigkeit ist und dem Gemeinwohl Schaden droht, sich an den Priester wenden.

Hüten wir uns auch davor, diejenigen, die die Tradition nicht verstehen, zu verachten. Ich kann es gar nicht zählen, wie oft ich in den Jahren, seit ich 1976 als Seminarist nach Rom gegangen bin, erlebt habe, dass Traditionalisten mich verachteten, weil ich damals noch nicht zu ihnen gehörte. Das ist nicht nur kontraproduktiv, weil man daraus schliesst, dass alle so sind, sondern es ist eine himmelschreiende Undankbarkeit und Lieblosigkeit, weil man auf diese Weise Christus, Dem man alles verdankt, mit Füssen tritt.

Prüfen wir diesbezüglich unser Gewissen, bevor wir das nächste Mal vor der Kommunion sprechen: „Herr, ich bin nicht würdig...“ Denn nur wenn unser Gewissen erforscht und durch eine gute Beichte und die entsprechenden Vorsätze gereinigt ist, wird die Wahrheit des heutigem Evangeliums für uns gelten: Und in der selben Stunde ward seine Seele gesund.

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