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Zweiter Adventssonntag (7. Dezember 2003) Mt. 11:2-10.

Zwischen dem Alten Testament und dem Neuen Testament gibt es eine Verbindung, und sie heisst Johannes der Täufer.

Er ist der Sohn des Priesters Zacharias aus der Priesterklasse Abias und der Aaronstochter Elisabeth, benannt nach der Frau Aarons (Ex. 6:23). Die Eltern sind hochbetagt als der Erzengel Gabriel ihnen den Knaben verheisst, seinen Namen nennt und seine Grösse prophezeit (Lk. 1:13-19). Dem zweifelnden Vater wird das Zeichen durch die zeitweilige Stummheit bestätigt (Lk. 1:20), bis er den Sohn im Benedictus (das der Klerus in den Laudes am Morgen betet) begrüsst (Lk. 1:67-79). Johannes wird bereits im Mutterleib geheiligt (Lk. 1:15,41; Cf. Jer. 1:5). Bald verbringt der Junge seine Jahre in der Wüste, bis er in seinem 30. Lebensjahr in der Wüste Judäas und dann in der Gegend des Jordan auftritt und durch seine Erscheinung, durch die Predigt der Busse und des Reiches Gottes und schliesslich die Taufe zur Vergebung aller Sünden eine gewaltige Bewegung unter den Volksmassen beginnt (Mt. 3:1-12; Mk. 1:2-8; Lk. 3:2-22). Auch Jesus lässt sich taufen und wird hierbei durch höhere Erleuchtung von Johannes als der Messias erkannt (Mt. 3:14). Für Ihn ist er der Wegbereiter:

„Und du, Knabe, wirst Prophet des Höchsten genannt werden, denn dem Antlitz des Herrn wirst du voranschreiten, um seine Wege zu bereiten, um seinem Volk das Wissen des Heils zu geben, das in der Vergebung ihrer Sünden ist“ (Lk. 1:76-77).

„Ich taufe euch bloss mit Wasser; doch einer kommt der mächtiger ist als ich. Ich bin nicht wert, ihm seine Schuhriemen aufzubinden. Er wird euch mit dem Heiligen Geiste und mit Feuer taufen“ (Lk. 3:16).

„Da ward ein Mensch, ein Gottesbote; Johannes ist sein Name. Der kam als Zeuge zu künden von dem Lichte, dass alle durch ihn glauben sollten. Er selbst war nicht das Licht; nur künden sollte er vom Licht“ (Jo. 1:6-8).

Von da an bekennt Johannes Christus als den Höheren, von ewiger Existenz, Lamm Gottes, Sohn Gottes (Jo. 1:19-36). Zwei seiner Jünger schliessen sich Jesus an (Jo. 1:39), während andere, eifersüchtig auf das neben Johannes beginnende Wirken Jesu und trotz des wiederholten Hinweises ihres Meisters auf Jesus (Jo. 3:23-32) sich fernhalten. Zur Belehrung dieser sucht Johannes noch vor seinem Ende durch eine Gesandtschaft Jesus zu einer offenen Erklärung zu bringen, selbst wohl über den Gang des messianischen Werkes nicht belehrt (heutiges Evangelium und Lk. 7:19-29). Das Ende des Johannes ist allgemein im Zusammenhang mit Herodes, Herodias und Salome bekannt.

Das heutige Evangelium setzt eben bei der Nachfrage des Johannes an: „Bist Du es der da kommen soll, oder haben wir auf einen anderen zu warten?“

Die Antwort ist eindeutig: „Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird die frohe Botschaft verkündet.“

Er wird von Jesus gepriesen als ein Prophet, ja mehr als ein Prophet, als Engel gesandt vor dem Angesicht des Herrn als grösster unter den vom Weibe Geborenen. (Mt. 11.7-10; Lk. 7:24-28).

Johannes selbst ist Prophet und Evangelist, nicht Wundertäter: „Johannes hat keine Wunderzeichen verrichtet; doch alles was Johannes von diesem gesagt hat, hat sich als wahr erwiesen“ (Jo. 10:41). Die Wunder, die wirkt der Gottessohn, damit man Ihn als wahren Gott erkennt und Ihm folgt. Ihm bereitet Johannes nur den Weg. Er kündigt Ihn an, weswegen die Kirche die entsprechenden Evangelien ja auch in den Advent einordnet, allerdings nicht aus historischen Gründen, denn Johannes ist nur wenig älter als Jesus, sondern um aus uns würdige Wegbereiter zu machen: So wie die Fastenzeit eine Zeit der Busse und der Umkehr ist, um uns auf das unfassliche Wunder der Auferstehung vorzubereiten, so ist dies der Advent für das unfassliche Wunder der Menschwerdung der Zweiten Person Gottes.

Der Mensch muss rein an Gottes offenbarte Grösse herangehen, sowie der Priester rein zum Altare treten soll. In Zeiten der Kirche, als das Empfangen des allerheiligsten Altarsakramentes noch keine tägliche oder sonntägliche Routine war, was leider allzu menschlich ist, da trug man die Berge ab und füllte die Täler, nicht nur im eigenen Gewissen, sondern in seiner ganzen Grundeinstellung, bevor man dann am Weihnachtstag um so besser vorbereitet vor den Herrn trat.

Über die heilige Beichte hinaus muss man sich ja auch prüfen, wieso es denn immer wieder zu den gleichen Sünden kommt: Nehmen wir die Bergpredigt wirklich an? Versuchen wir nicht, an ihr vorbei in einem Gerade-noch-Einhalten der Zehn Gebote zu überleben? Schwimmen wir nicht allzu oft in diesem Nebel des fürchterlichen Satzes: „Das ist ja ohnehin keine Todsünde“? Ist nicht genau diese Einstellung diejenige, die unseren Mitkatholiken oft so viel Leid bringt, weil die blosse Lieblosigkeit ja „doch keine Todsünde“ ist? Dabei gibt es nichts Schlimmeres als die Lieblosigkeit!

„Nein; ich sage euch: Wenn eure Frömmigkeit nicht weitaus besser ist, als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, so kommt ihr überhaupt nicht in das Himmelreich hinein... Wer seinem Bruder zürnt, wird dem Gerichte verfallen“ (Mt. 5:20,22). Christus spricht nicht von Unfrömmigkeit, sondern von Frömmigkeit. Wir sind ja wahrscheinlich fromm, aber das reicht eben noch lange nicht. Die wahre Frömmigkeit kommt aus der Liebe, die der heilige Paulus im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes beschreibt. Handeln wir danach? Was machen wir? Noch hallt uns das Schlusslied der Sonntagsmesse in den Ohren, schon sitzen die anderen Teilnehmer vor uns auf der Anklagebank!

„Und wohl dem, der sich an Mir nicht ärgert.“

So steht es im heutigen Evangelium und es trifft auf uns mehr zu, als uns lieb sein kann: Johannes überzeugt das Volk, das sich von ihm taufen lässt: „Die Pharisäer und Gesetzeslehrer aber achteten den Ratschluss Gottes nicht und liessen sich von ihm nicht taufen“ (Lk. 7:30).

Die Pharisäer waren fromm, täuschen wir uns nicht! Bis auf wenige, so waren sie alle bemüht, dem Herrn zu gefallen, aber das reichte nicht, denn ihnen fehlten so wesentliche Eigenschaften wie die Liebe, die Demut und die Gelehrsamkeit und so ärgerte sie Christus. „Was ihr dem geringsten unter meinen Brüdern...“ Erinnern wir uns daran, bevor wir über unsere Mitbrüder urteilen, noch dazu ein paar Minuten, nachdem wir IHN zu uns genommen haben?

Wollen wir denn nicht einsehen, dass wir gar nicht wichtig genug sind und gar nicht die Voraussetzungen dafür haben, andere so zu verurteilen? Demut heisst Wahrheitsliebe. Und Wahrheitsliebe heisst sich selbst zu Nichts zu reduzieren, damit alles den gleichen Massstab hat. Jedes Satellitenphoto kann uns davon überzeugen, dass, wer von oben herabblickt, nichts zu sehen bekommt. Warum können es nicht die Worte des Herrn?

Widmen wir uns doch einmal mehr diesen Worten des Herrn, statt unsere Zeit täglich mit den Lügen in Zeitung, Radio und Fernsehen zu vergeuden.

„Denn der von Gott Gesandte redet Gottes Worte; Gott spendet nicht kärglich den Geist“ (Jo. 3:34).

„Löschet den Geist nicht aus!“ (1Th. 5:19).

Beten alleine reicht nicht, wir müssen nachdenken!

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