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Vierter Sonntag nach Pfingsten (6. Juli 2003) Lk. 5:1-11.

Das erste, was einem an dem heutigen Evangelium auffallen muss, ist gleich der Anfang: „In jener Zeit drängte sich das Volk zu Jesus, um das Wort Gottes zu hören.“ Das Volk drängt sich um Jesus, nicht die Pharisäer! Diese göttlich inspirierten Worte zeigen die Falschheit derer auf, die da sagen: „Lasset die Priester nachdenken, ihr müsst nur folgen und gehorchen, zerbrechet euch nicht euren Kopf.“ Welch eine Hybris, welch ein Irrtum. Wären sie, diese Gläubigen, ihren Priestern gefolgt, sie wären alle verloren gewesen.

Nun ist es aber nicht nur so, dass wir den heutigen Pharisäern, jenen Bischöfen also, die an die Stelle von Christi Wahrheit „die Zivilisation der Liebe und des Friedens“ (Johannes Paulus II., 1.1.2001) setzen, nicht folgen dürfen, sondern wir befinden uns in einer ähnlichen Lage, wie das Volk damals: Wir wollen (so hoffe ich) das Wort Gottes hören und wir wissen oft nicht, wo wir es finden können. Der Papst gibt es uns nicht, denn seine Botschaft ist die aus seiner Antrittsenzyklika, Redemptor Hominis (no. 10,2): „Das Staunen über den Wert und die Würde des Menschen nennt sich Frohbotschaft, Evangelium. Es wird auch Christianismus genannt.“ Der letztere Satz wurde sogar in der offiziellen deutschen Übersetzung zensuriert, er war offenbar und sogar diesen, seit Paul VI. an harte Sachen gewohnten Übersetzern zuviel. Diese Botschaft von Johannes Paulus II. ist purer und unverschämter Humanismus in der schlechtesten Variante, nicht human, sondern gottlos.

Von den Bischöfen werden wir erst recht nicht das Wort Gottes erhalten, denn auf zehn Bischöfe kommen ja mindestens fünf verschiedene Weltanschauungen, und was die Priester angeht, so soll hier der Mantel der Liebe über ihre Leere gedeckt werden. Von dort ist nichts zu erwarten.

Wo finden wir also das Wort Gottes? Die zwanzig ökumenischen Konzilien (unter die das von 1962-1965 sicher nicht zu zählen ist) geben uns die Antwort: 1. In der Heiligen Schrift, vor allem im Neuen Testament; 2. In der Lehre der ökumenischen Konzile; 3. In der Lehre der Päpste, sofern sie unfehlbar ist oder der Tradition in keinem Punkt widerspricht.

Bürdet der letzte Satz uns die Pflicht auf, Theologie zu studieren? Die Antwort möge im Geist des hl. Thomas von Aquin gegeben werden: distinguendum est (man muss unterscheiden):

Natürlich können nicht alle Theologie studieren, wo denn auch? Fast alle Universitäten sind von der Häresie zersetzt und in den wenigen Kreisen, wo man der Tradition treu geblieben ist, gibt es so gut wie nichts, was an ein einstmaliges Universitätsstudium heranreicht. Dennoch haben wir unsere Lehrer: Die Heilige Schrift (ich wiederhole mich), die Enzykliken der Päpste, die auf deutsch erhältlich sind und die Priester, die dieser einzigen wahren Tradition folgen, ob das nun der hw. Hr. Pfarrer Milch in seinen unsterblichen Predigten ist, oder die Priester des Werkes von Erzbischof Lefebvre. In keinem Fall aber darf unser Verstand in die Rente gehen:

Wer Gott liebt, muss über Ihn nachdenken.

„Und Er setzte Sich und lehrte das Volk vom Schiffe aus.“

Wie erfrischend müssen diese Worte für eine Menge gewesen sein, die immer nur den eintönigen Singsang von Pharisäern hörten, deren wichtigste Lehren ihre eigene Heiligkeit und die peinlich genaue Einhaltung von grossteils unsinnigen Sabbathregeln waren! Obwohl die Pharisäer und Schriftgelehrten gebildet waren, müssen ihre selbstgefälligen, herablassenden und oberflächlichen Predigten wenig Wissen vermittelt haben, denn die Verblendung, die aus dem Hochmut kommt, nimmt jeglicher Bildung den Nutzen.

Dann gebietet Christus den Fischen, dem Petrus und den Anderen in das Netz zu gehen. Die Reaktion des Petrus, der mit Sicherheit nicht der intelligenteste Apostel war, zeigt sein grosses Herz. In vorbildlicher Liebe und Demut wirft er sich Christus zu Füssen und ruft: „Herr, geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch!“ Angesichts des wunderbaren Ereignisses, ist der instinktive Gedanke dieses demütigen Fischers: „Oh Herr, ich bin nicht würdig...!“ Welch ein grandioses Beispiel der Demut! Wie sehr mangelt doch diese Grundeinstellung all denen – gerade in „unseren Kreisen“ – die sich offenbar für würdig genug erachten, vom Himmel Wunder, Visionen und Botschaften zu erhalten. Wie sehr mangelt doch diese Demut denjenigen unter uns, die schon seit geraumer Zeit nicht beichten waren und sich trotzdem unbekümmert nach einem auswendig gesagten Domine non sum dignus... dem grössten aller Wunder nähern, dem Herrn selbst in der Hostie!

Wie alle Wunder Christi, ist auch dieses die Illustration eines weiteren Geheimnisses: „... von nun an sollst du Menschen fangen.“

Die Bedeutung dieses Ausspruchs hat das zwanzigste Jahrhundert scheinbar endgültig verloren: Wie ich von passionierten Anglern weiss, ist das Ködern eine Kunst und wie ich von Fischern weiss, das Netzewerfen. Keinen Fisch fängt man, indem man ihn erschreckt oder nichts tut. Das aber ist die Schuld der heutigen Zeit. Wohl haben die Priester und die Gläubigen seit eh und je durch Arroganz, Lieblosigkeit und Dummheit die Fische vertrieben, aber es war nicht System! Obwohl bis in die Fünfzigerjahre ein heiligmässiger Pater der Mission, Marcel Lefebvre, noch wahre Rekorde der Mission aufstellen konnte, so begann doch schon 1917 – wie Hans Jakob Stehle nachweist – die Ostpolitik. Damit entwickelte sich schliesslich der, 1965 zum Ziel erhobene Ökumenismus, dem schon am 19. März 1930 (!!!), bei dem, im Petersdom gesungenen Hochamt, während des Credo das Filioque zum Opfer gefallen war!

Ohne Liebe und ohne Wahrheit kann man genauso wenig fischen, wie ohne Boot und ohne Netz. Auch wenn das Netz – die Wahrheit – löchrig ist, wird man nichts fangen. Das ist ja gerade die Lehre des heutigen Evangeliums: Christus sagt dem Simon: „... werft eure Netze zum Fange aus.“ Und obwohl die letzte Nacht erfolglos war, antwortet Simon: „In Deinem Worte aber will ich das Netz auswerfen.“ Christus führt den zukünftigen Aposteln vor Augen, was für einen spektakulären Erfolg sie haben werden, wenn sie Ihm gehorchen und ihre Pflicht tun. Wäre das Netz jetzt löchrig gewesen, hätten sie nichts gefangen, hätte das Boot nicht dicht gehalten, wären sie untergegangen.

In der Vergangenheit ist die Mission oft gescheitert, weil sie lieblos war, jetzt ist sie nur noch ein Name, denn eigentlich sagt man den Fischen ja, dass sie ihm See bleiben sollen.

Wir müssen auch die Netze und das Boot in Erinnerung behalten: Wenn wir unseren lutheranischen Nachbarn bekehren wollen, das wird das weder gelingen, wenn wir ihm in einer „Hierarchie der Wahrheiten“ bestätigen, dass er ohnehin das wichtigste glaubt, noch wenn wir ihm grimmig und von oben herab die Hölle prophezeien. Für das Menschenfischen zur Bekehrung ist das Boot die Liebe und hier vor allem Gebet, Geduld, Gefühl, und das Netz ist die kompromisslose, vollständige Wahrheit. Im Gebete erflehen wir das Geschenk Gottes, den Glauben, in Geduld hören wir die Fragen UND die Entgegnungen, mit Gefühl versuchen wir, die Aufmerksamkeit auf die Ewigkeit zu lenken. Was die Wahrheit angeht, so dürfen wir niemals irgendwo nachgeben, kein Iota Unum aufgeben, aber etwas wohl hervorkehren: die Heiligmachende Gnade und ihre Quelle, die Sakramente.

Was fehlt dann noch?

„Und sie... verliessen alles und folgten Ihm.“

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